Andrea Kiewel reagierte prompt: Die TV-Moderatorin hatte sich nach den aktuell kursierenden Rassismus-Vorwürfen für ihre Aussage zu Pokémon-Karten entschuldigt. „Die spontan getätigte Äußerung war der Live-Situation geschuldet und keinesfalls rassistisch gemeint“, teilte der Sender in Mainz Anfang der Woche mit. „Andrea Kiewel bedauert ihre Worte und entschuldigt sich dafür.“ Das war zuvor im ZDF‑„Fernsehgarten“ passiert: Zwei Sammlerinnen hatten Kiewel in der Sendung vom Sonntag eine Reihe von Pokémon-Karten gezeigt, darunter war auch ein Kartenset in verschiedenen Sprachen. Beim Betrachten einer – japanischen – Karte sagte die Moderatorin „Chinesisch“, gefolgt von „Ching Chong Chang“. Darauf reagierten Nutzer in den sozialen Medien mit Unverständnis, auf TikTok und Instagram wurde Andrea Kiewel Rassismus vorgeworfen, auch WELT hatte berichtet. (verlinkt auf https://www.welt.de/vermischtes/article6a54c29636e98236c4bc7366/zdf-fernsehgarten-ching-chang-chong-kiewel-entschuldigt-sich-fuer-aeusserung-im-tv.html) Die Lautfolge „Ching Chong Chang“ wird Kritikern zufolge als abwertende Imitation der Phonologie von Mandarin oder Kantonesisch empfunden. Marcel Hopp (SPD) fordert mehr vom ZDF als nur ein Statement Für einige Betroffene ist die Sache trotz des ZDF-Statements aber offenbar noch nicht erledigt, wie nun ein Instagram-Video zeigt. Mit Marcel Hopp (SPD) meldete sich dort ein Politiker aus dem Berliner Abgeordnetenhaus zu Wort. Zunächst zeigt er seinen 120.000 Followern einen Videoschnipsel des Vorfalls und macht seiner Empörung Luft. Auch vor dem Hintergrund seiner eigenen Rassismuserfahrungen sei er „fassungslos, dass wir im Jahr 2026 noch immer darüber reden müssen, wie normalisiert öffentlich getätigter Alltagsrassismus ist – und das auch noch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk“, so der Berliner, der sich in seinem Video als einer von bundesweit zwei „ostasiatisch gelesenen“ Abgeordneten bezeichnet. Die Entschuldigung des ZDF sowie den Verweis auf den Stress einer Livesendung lässt Hopp dabei nicht gelten. Rassistische Stereotype würden die Betroffenen immer verletzen, ganz egal, ob diese nun so „gemeint waren“ oder auch nicht. Und der Verweis auf die vermeintliche Spontanität der Situation mache das Ganze auch nicht besser – denn dann stehe zu befürchten, dass sich solche Vorfälle wiederholen könnten. Allein die Formulierung der Stellungnahme, so Hopp weiter, mache deutlich, dass es weder beim ZDF noch bei Andrea Kiewel selbst ein ausreichendes Maß an „Problembewusstsein für rassistische Äußerungen“ gebe. Auch werde nicht erklärt, wie denn eine solche Situation in der Zukunft verhindert werden könne. „Was genau macht Andrea Kiewel jetzt, um ihre offensichtlich wenig vorhandene interkulturelle Kompetenz oder ihre fehlende Sensibilität für rassistische Denkmuster zu beheben?“, fragt der SPD-Politiker, und macht dann selbst einen Vorschlag: Die 61-Jährige könne doch entsprechende Antirassismus-Seminare und -Schulungen belegen, um sich in der Thematik fortzubilden. Hopp fordert das ZDF dann auch dazu auf, die Moderatorin zu entsprechenden Schulungen zu „verpflichten“, denn schließlich sei es die Pflicht des öffentlich-rechtlichen Senders, „solche Äußerungen in Zukunft zu verhindern“. Solange all diese Fragen nicht vom ZDF geklärt würden, brauche sich der Sender auch nicht mehr vom Rassismus zu distanzieren: „Ohne diese klaren und verpflichtenden Antworten ist eure Erklärung leider nichts wert“, so Hopps Schlusswort. Marcel Hopp wurde 1988 in Berlin-Neukölln geboren. Er ist gewählter Abgeordneter für Gropiusstadt, Buckow Nord und das Blumenviertel (Nord). Vor seinem Einzug ins Berliner Abgeordnetenhaus (seit 2021) arbeitete er als Lehrer. Er ist Sprecher für Bildung, Wissenschaft und Forschung der SPD-Fraktion Berlin. Hopp ist auch Autor eines Buchs mit dem Titel „Was geht mich das an? – Warum wir den Rechtsruck nur gemeinsam stoppen können“, das er aktuell auf einer Vorlesungsreise bewirbt.